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Landesverband, Bädergeschichten

„Rappi“ schwimmt gegen Zwangspause an

Veröffentlicht: 27.11.2025
Autor: DLRG Landesverband Baden e.V.
Der Rutschenturm - eine der beliebten Attraktionen des Rheinstrandbades Rappenwört (© Karlsruher Bäder)
Die ersten Rettungsschwimmer im Landkreis Karlsruhe 1929 im Rheinstrandbad Rappenwört
Der DLRG-Landesverband Baden feierte 2025 sein 100-jähriges Jubiläum auf der Liegewiese des Freibades

Eine Bürgerinitiative kämpft für den Weiterbetrieb des historischen Rheinstrandbads Rappenwört

Karlsruhe ist auf Sparkurs: 80 Millionen Euro muss die Stadt für den anstehenden Doppelhaushalt 2026/2027 pro Jahr sparen. Von der „Liste des Grauens“ bleiben auch die Bäderbetriebe nicht verschont, allen voran das Rheinstrandbad Rappenwört, dem nun die vorübergehende Schließung droht.

Bekannt für seine idyllische Lage am Rheinufer und sein weitläufiges Gelände, ist das „Rappele“, wie das Karlsruher Rheinstrandbad von seinen Stammgästen liebevoll genannt wird, seit nahezu hundert Jahren Schauplatz großer Badefreuden und sportlicher Aktivitäten, wichtiger sozialer Treffpunkt und nicht zuletzt Standort historischer Ereignisse und kurioser Begebenheiten. So entwickelte sich das 1929 eröffnete Bad gleich Anfang der 1930er-Jahre zum Zentrum des Ringtennissports in Deutschland. Einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde errang das Bad, als im Sommer 2015 hier in drei Stunden Faltarbeit das größte Papierboot der Welt gefaltet wurde – mit seinen 14 Metern Länge und seinem Gewicht von ca. 117 kg hält es nach wie vor den Rekord. Darüber hinaus dient das Bad als Veranstaltungsort für das traditionelle Hundeschwimmen zum Saisonausklang ebenso wie für das „Rheingrün Open Air“, ein jährlich stattfindendes Techno-Festival. Sogar ein Kinderbuch gibt es, das durch einen nächtlichen Wildschwein-Besuch im Wellenbecken des Bades inspiriert wurde.

Auch für die DLRG ist das geschichtsträchtige Rheinstrandbad ein Ort von besonderer historischer Bedeutung: Im Mai 2025 feierte der DLRG-Landesverband Baden unter dem Motto „Baden – nicht ohne uns!“ in dem Traditionsbad sein 100-jähriges Bestehen, und dies mit gutem Grund: denn der regionale Verband der DLRG wurde 1925 in Karlsruhe gegründet, unter anderem auch infolge der damaligen Planung der Rheinstrandbäder in Mannheim, Breisach und Karlsruhe. Im Rheinstrandbad Rappenwört stand die erste Wasserrettungswache der DLRG in Baden. Felix Strobel, Präsident des DLRG-Landesverbands, betonte bei seiner Jubiläumsrede: „Für mich ist dieser Ort Sinnbild dafür, was die DLRG ausmacht: Aus Tradition gewachsen, in der Gegenwart verankert und in die Zukunft gerichtet.“

Nun aber scheint die Zukunft des beliebten Bades fraglich: Im Zuge des städtischen Sparzwangs steht eine zweijährige Schließung auf dem Programm; durch diese will die Stadt Karlsruhe jährlich etwa 900.000 Euro einsparen. Hinzu käme eine Erhöhung der Ticketpreise nach der geplanten Wiedereröffnung im Jahr 2028. Die Stadt begründet die Maßnahmen mit dem hohen Unterhaltungsaufwand des Bades, das pro Saison ein Minus von 1,4 Millionen Euro verzeichne.

Viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt reagierten mit Unverständnis, ja sogar Entsetzen auf die angekündigte Zwangspause. Schon die Verkürzung der Öffnungszeiten des geliebten „Rappele“ im Sommer 2025 stieß auf große Kritik; nun rief die drohende Schließung ein großes bürgerschaftliches Engagement auf den Plan. Initiiert von Daniela Christ, wurde Anfang September der Förderverein Rheinstrandbad Rappenwört e.V. gegründet, der sich ehrenamtlich für die Erhaltung des Bades einsetzt und hierfür aktiv das Gespräch mit der Stadt sucht, um gemeinsam konstruktive Ideen zu entwickeln.

Mit Maskottchen und Petition gegen die Schließung

„In vier Jahren wird das Rheinstrandbad Rappenwört 100 Jahre alt. Diese Tradition muss unbedingt erhalten bleiben“, erklärt Daniela Christ gegenüber ka-news. Als Wappentier des neu gegründeten Bürgervereins fungiert die Schwanendame „Rappi“, die mit Sonnenhut und Brille für das gefährdete Bad in den Kampf zieht. Über 13.000 Unterschriften hat der Verein per Online-Petition gesammelt; dazu sollen noch mindestens neuntausend händische Unterschriften kommen, um das Bürgerbegehren beim Gemeinderat auf die Tagesordnung zu setzen. Auch ein Konzept zum Erhalt des Bades mitsamt einem Vorschlag für ein komplett privates Betriebsmodell, gestützt durch Spenden, Sponsoren und ehrenamtliches Personal, liegt bereits vor und wurde von der Bäderverwaltung und dem Gemeinderat mit Interesse aufgenommen.

Dennoch: So schnell ist die geplante Schließung nicht vom Tisch. „Bei dem Gelände handelt es sich um eine Spezialimmobilie. Die Denkmalvorschriften erschweren die Planung erheblich“, gab der Karlsruher Bäderchef Oliver Sternagel zu bedenken, der sich gemeinsam mit der Karlsruher Sozialbürgermeisterin Yvette Melchien im persönlichen Gespräch vor Ort den Fragen der Bürgerinnen und Bürger stellte. Schwierig sei der Erhalt des Bades auch wegen des großen personellen Bedarfs, unter anderem am Wellenbecken und auf dem weitläufigen Gelände. Jedoch bemühten sich die Verantwortlichen, die in der Luft liegende Angst vor einer endgültigen Schließung des Rheinstrandbades zu entkräftigen, berichteten die Badischen Neusten Nachrichten (BNN) im Nachgang zum Termin. „Ich will dieses Bad betreiben – und das mit ganzem Herzen“, sagte Sternagel, und Melchien erklärte: „Es kann sich keiner vorstellen, dass zum 100-jährigen Jubiläum kein Wasser in den Becken ist.“ Beweis hierfür sei die geplante Investition von jährlich 500.000 Euro in den Erhalt des vorübergehend stillgelegten Bades zur Instandhaltung der Technik und des Geländes.

Letzteres soll auch in den beiden kommenden Jahren für Spaziergänger zugänglich bleiben, damit das „Rappele“ zumindest als Ausflugsziel zur Verfügung steht. Hoffnung macht auch die im Stadtrat kursierende Idee, das Rheinstrandbad könnte bei den World Games 2029 eine wichtige Rolle spielen. So zieht beispielsweise Detlef Hofmann, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Gemeinderat und selbst aktiver Kanute, das großzügige Naturbecken am Rhein als Spielort für die Sportart Kanu-Polo in Erwägung.

Noch aber will sich der Förderverein nicht geschlagen geben und kämpft – auch mit Unterstützung der DLRG – weiter gegen die erzwungene Ruhepause für das in Städte-Rankings regelmäßig auf den vorderen Plätzen landende Bad. Die finale Entscheidung des Gemeinderates steht noch aus.

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